
AI Legal Blog › KI-Strategie › KI-Einsatz im Team messbar machen
KI-Einsatz im Team messbar machen
Von Anisja Porschke
Messen Sie nicht nur, wie viele Personen ein KI-Tool nutzen, sondern ob es im Alltag ankommt: Anfragen pro Woche, Vielfalt der Anwendungsfälle, Qualität der Ergebnisse und wiederkehrende Aufgaben. Machen Sie die Nutzung im Team sichtbar und planen Sie eine Lernphase ein, bevor Sie Effizienzgewinne erwarten.
2025 haben viele Kanzleien und Rechtsabteilungen ihre ersten KI-Tools eingekauft und ausgerollt. Inzwischen stellt sich die Frage: Was bringen diese Tools im Alltag? Und sind wir auf dem richtigen Weg?
Auf lange Sicht ist die Antwort klar. Wenn Aufgaben schneller erledigt werden, weniger Fehler passieren und die Qualität stimmt, hat sich der Einsatz gelohnt. Gemessen wird das aber selten. Im Rechtsmarkt nutzten laut Thomson Reuters Institute Anfang 2025 26 Prozent der Befragten generative KI, nach 14 Prozent im Vorjahr. Den Return on Investment messen dagegen nur 20 Prozent der befragten Jurist:innen. Die Umfrage stammt aus den USA, Großbritannien und Kanada. Nachvollziehbar ist die Zurückhaltung: Wir sind mitten in einer Umbruchphase, in der getestet und ausprobiert wird.
Eine Antwort auf zwei Fragen sollten Sie trotzdem haben. Woran erkennen wir, ob KI im Arbeitsalltag erfolgreich genutzt wird? Und bewegen wir uns in die richtige Richtung? Drei Ansätze helfen dabei.
Welche Frühindikatoren zeigen, ob KI im Alltag ankommt?
Kurz: Nicht nur die Nutzungsquote, sondern Anfragen, Anwendungsfälle, Qualität und Wiederholung.
Viele Organisationen schauen zuerst auf die Nutzungsquote: Wie viele Personen nutzen das Tool? Das ist ein guter Startpunkt, sagt aber wenig darüber, wie sinnvoll KI eingesetzt wird. Hilfreicher sind Frühindikatoren. Sie zeigen oft schneller als klassische Kennzahlen, ob KI wirklich Teil des Arbeitsalltags wird.
| Frühindikator | Was er zeigt | So erheben Sie ihn |
|---|---|---|
| KI-Anfragen pro Woche | ob KI zur Gewohnheit wird | Nutzungsübersicht im Admin-Bereich des Tools oder kurze Abfrage im Team |
| Vielfalt der Anwendungsfälle | ob KI über eine Einzelaufgabe hinaus genutzt wird | Liste der Aufgaben, für die das Team KI nutzt, etwa Recherche, Strukturierung, Review |
| Qualität der Ergebnisse | ob die Ergebnisse tragen | Stichprobe: Wie viel Nacharbeit braucht ein Ergebnis? |
| wiederkehrende Anwendungsfälle | ob aus Ausprobieren Routine wird | Welche Aufgaben laufen regelmäßig mit KI, zum Beispiel über eine Vorlage oder einen Skill? |
Die Boston Consulting Group empfiehlt in ihrer Studie „AI at Work“ vom Juni 2025 einen ähnlichen Blick: den Wert von KI über Produktivität, Qualität und Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu verfolgen. Wie das im Kleinen aussehen kann, hat ein Gast in einer unserer Live Sessions gezeigt. Das Prinzip heißt „One App a Month“: Jeden Monat wird ein Tool geprüft, mit festen Vergleichsaufgaben aus dem echten Arbeitsalltag. Oder, wie es in der Session hieß: Ein Tool auszuwählen ist der einfache Teil. Nach dem Rollout beginnt die Arbeit.
Wie machen Sie KI-Nutzung im Team sichtbar?
Kurz: Durch Austausch und Vorbilder, nicht durch Rundmails.
In vielen Teams nutzen einige Personen KI schon intensiv, andere kaum. Meist fehlt einfach der Austausch darüber. Formate wie ein Lunch & Learn, kurze Use-Case-Demos oder Peer-Austausch im Team bewegen hier viel, weil Kolleg:innen sehen, wofür andere KI konkret einsetzen.
Besonders wichtig sind die Führungskräfte. Wenn Partner:innen und Teamleitungen ihre eigene Nutzung offen zeigen, entsteht die stille Erlaubnis, KI im Alltag wirklich einzusetzen. Wenn niemand darüber spricht, fehlt sie. Die BCG-Studie macht den Unterschied sichtbar: Mit starker Unterstützung durch die Führung steigt der Anteil der Beschäftigten, die generativer KI positiv gegenüberstehen, von 15 auf 55 Prozent. Diese Unterstützung erlebt aber nur etwa ein Viertel der Beschäftigten ohne Führungsrolle.
Warum gehört die Lernkurve in die Planung?
Kurz: Weil Effizienz erst nach einer Lernphase kommt, und diese Phase braucht Zeit, die jemand einplant.
Viele erwarten nach der Einführung eines KI-Tools sofort Effizienzgewinne. In der Realität braucht es eine Lernphase, in der Prompts getestet und Anwendungsfälle entwickelt werden. Wer diese Phase überspringt, nutzt die Tools oft nur oberflächlich oder gar nicht.
Planen Sie deshalb Zeit zum Experimentieren und Lernen fest ein. Auch dafür liefert BCG einen Hinweis: Beschäftigte, die mindestens 5 Stunden Schulung erhalten und Zugang zu Präsenztraining und Coaching haben, nutzen KI deutlich regelmäßiger. Gleichzeitig sagt nur ein Drittel der Befragten, ausreichend geschult worden zu sein.

Wo fangen Sie an?
Kurz: Mit zwei bis drei Maßnahmen, die Sie im nächsten Monat umsetzen.
Sie brauchen kein Kennzahlensystem, um anzufangen. Wählen Sie zwei Frühindikatoren, die sich in Ihrer Organisation leicht erheben lassen, und eine Maßnahme, die Nutzung sichtbar macht, etwa ein monatliches Lunch & Learn. Schauen Sie nach einem Monat wieder drauf.
Warum der Erfolg stärker vom Einsatz als vom Tool abhängt, haben wir im Webinar KI-Update für Kanzleien 2026: Vom Ausprobieren zur echten Strategie vertieft. Und wie weit Messen gehen kann, wenn KI ganze Abläufe übernimmt, zeigt So arbeitet die Kanzlei der Zukunft.
Welche Frühindikatoren ließen sich in Ihrer Organisation gut messen? Und wie könnte die KI-Nutzung noch sichtbarer werden?
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob sich unser KI-Tool lohnt?
Kurzfristig an Frühindikatoren: wie oft das Team KI nutzt, für wie viele verschiedene Aufgaben, wie viel Nacharbeit die Ergebnisse brauchen und welche Aufgaben regelmäßig mit KI laufen. Langfristig zählen Zeit, Fehler und Qualität.
Reicht die Zahl der aktiven Nutzer als Kennzahl?
Nein. Sie zeigt, wer Zugang hat und ihn nutzt, aber nicht, ob KI die Arbeit verändert. Aussagekräftiger sind die Vielfalt der Anwendungsfälle und Aufgaben, die regelmäßig mit KI erledigt werden.
Wie viel Schulung braucht ein Team?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Die BCG-Studie „AI at Work“ zeigt aber, dass Beschäftigte mit mindestens 5 Stunden Schulung KI deutlich regelmäßiger nutzen.
Darf ich die KI-Nutzung einzelner Mitarbeitender auswerten?
Werten Sie die Nutzung im Team aus, nicht je Person. Wo ein Betriebsrat besteht, kann die Auswertung mitbestimmungspflichtig sein (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG). Binden Sie ihn deshalb früh ein.
Quellen
- Thomson Reuters Institute: 2025 Generative AI in Professional Services report, Executive summary for legal professionals, abgerufen am 27.10.2026
- Boston Consulting Group: AI at Work 2025: Momentum Builds, but Gaps Remain, abgerufen am 27.10.2026
- § 87 Betriebsverfassungsgesetz (Mitbestimmungsrechte), abgerufen am 27.10.2026
Ihr Team steht noch ganz am Anfang? Kein Problem. Im AI Legal Club können Sie von den Erfahrungen anderer Mitglieder profitieren und lernen alles Wichtige rund um Anwendungsfälle & Tools.
Weiterlesen in KI-Strategie
- So arbeitet die Kanzlei der Zukunft: AI First mit KI-AgentenKI-Strategie
- Claude Skills und Tabular Review: wie KI-Ergebnisse einheitlich und prüfbar werdenUse Cases & Prompting
- Legal-AI-Anbieter im Vergleich: sechs Kriterien für die AuswahlLegal-AI-Tools & Anbieter